«Telefonieren fast täglich miteinander»

An diesem Wochenende hätte die Hornusser Schweizermeisterschaft 2020 beginnen sollen – das Wetter wäre perfekt gewesen.

Hätte und wäre... Fakt ist: Das Coronavirus hat den Alltag wie wir ihn kennen praktisch lahmgelegt. Auch wenn der Hornussersport in diesen schwierigen Zeiten nicht an erster Stelle steht, fragt man sich dennoch, wie es mit unserem geliebten Hornussersport weitergehen könnte. ZV-Präsident Adrian Tschumi äussert sich im Interview zur besonderen Lage.

 

"Wir haben wohl alle dieses Virus am Anfang unterschätzt": ZV-Präsident Adrian Tschumi.
"Wir haben wohl alle dieses Virus am Anfang unterschätzt": ZV-Präsident Adrian Tschumi.

Wovor hattest du am meisten Angst oder Respekt als du den Posten als Zentralpräsident des EHV angetreten hast?

Adrian Tschumi: Ich hatte eigentlich keine Angst vor diesem Amt, da ich bereits als MWHV-Präsident im Fokus stand. Es war mir sehr wichtig, dass mein privates Umfeld diesen Entscheid mitträgt. Denn immer wenn ich für die Hornusser unterwegs bin, fehle ich im Betrieb und die Verantwortung liegt bei meiner Frau Christine. Es ist mir als ZV-Präsident sehr wichtig, dass wir die Anliegen und Sorgen der Basis versuchen zu erkennen und zu bearbeiten. Ich bin ein sehr kommunikativer Mensch und muss aufpassen was ich den Hornussern sage, denn vielfach wird einem das Wort im Mund verdreht. Es macht aber viel Spass die Herausforderungen in einem derart tollen Zentralvorstand zu erarbeiten.

 

War ein Szenario wie die Corona-Pandemie überhaupt je präsent in deinen oder den Überlegungen des ZV allgemein?

Wir haben wohl alle dieses Virus am Anfang unterschätzt. Als am Freitag, 13. März am Nachmittag der Bundesrat die ersten drastischen Beschlüsse bekannt gab, telefonierte ich sofort mit Bruno Ryser, welcher eine Krisensitzung einberief.

 

Vertreter vom ZV und der Meisterschaftskommission trafen sich zu einer Sitzung bei mir. Wir diskutierten den möglichen Verlauf der Meisterschaft und waren von Anfang an der Meinung, dass wir die verschiedenen besprochenen Varianten den Hornussern mitteilen müssen. Es war nicht einfach, einen für alle möglichen Weg zu finden – jedoch haben wir mit den drei Varianten mögliche und vor allem machbare Wege gefunden.

 

«Es war nicht einfach, einen für alle möglichen Weg zu finden»



Du hast es angesprochen: Ihr habt mit drei Varianten reagiert und seid damit wohl auch Spekulationen zuvorgekommen. Eine Frage zu «Variante b» brennt uns aber dennoch auf der Zunge. Diese Variante besagt nämlich, dass die verschobenen Runden ersatzlos gestrichen werden und es keine Auf- und Absteiger gibt. So weit so gut, aber was ist mit dem Meistertitel?

Diese Variante ist wohl die am wenigsten Wahrscheinliche. Da im April bereits diverse Schlagerpartien auf dem Programm stünden, ist es nicht möglich eine faire Mannschafts-Meisterschaft durchzuführen. Bei der «Variante b» würden die Spiele ganz normal gewertet, es würde auch eine Rangliste erstellt. Jedoch ohne Auf- und Absteiger und natürlich auch ohne Schweizermeister. Die Einzelauszeichnungen könnten aber problemlos abgegeben werden.

 

Ist bekannt, wann letztmals Teile der Hornusser-Saison verschoben oder abgesagt werden mussten?

Ich habe nicht nachgeforscht – ich bin aber auch schon länger aktiv am Hornussen und mir ist kein solcher Fall bekannt. Ich nehme an, dass während der beiden Weltkriege der Spielbetrieb eingestellt war.

 

Tschumi zur aktuellen Lage: "Es ist eine grosse Verunsicherung an der Basis zu spüren."
Tschumi zur aktuellen Lage: "Es ist eine grosse Verunsicherung an der Basis zu spüren."

 

Die Situation ist weiterhin höchst unberechenbar. Was läuft derzeit im EHV und wann sind neue Informationen zu erwarten?

Wir telefonieren fast täglich miteinander, um die veränderten Szenarien miteinander zu besprechen. Wir werden sicher, wenn neue Richtlinien vom Bund erhoben werden, diese umsetzen und die Hornusser via App, Homepage und E-Mail-Versand an die Gesellschaftspräsidenten orientieren.

 

Im Moment ist es sinnvoll, den 19. April abzuwarten und anschliessend rasch die gegebenen Möglichkeiten abzuwägen und umzusetzen. Es ist eine grosse Verunsicherung an der Basis zu spüren. Lasst Euch nicht verrückt machen – wir werden keine Beschlüsse fassen, welche nicht zumut- oder nicht durchführbar sind.

 


«Lasst euch nicht verrückt machen!»

 

Einige Anlässe mussten abgesagt oder verschoben werden. Diese alle nachzuholen dürfte aufgrund des dichtgedrängten Kalenders schwierig werden. Einigen Gesellschaften sind auch Einnahmen weggebrochen. Wie kann der EHV in der aktuellen Situation Unterstützung leisten?

Betroffene Gesellschaften wurden letzte Woche vom Geschäftsstellenleiter Bruno Ryser via Mail angeschrieben. Sie sollen sich bitte melden, wenn sie in der aktuellen Situation Unterstützung vom Verband brauchen.

 

Wie erlebst du die Situation persönlich? Und wie sind die Reaktionen aus Hornusserkreisen?

Da ich im «normalen» Leben einen Gastronomiebetrieb führe, habe ich seit dem 17. März 2020 die Wirtschaft «Utiger» geschlossen. Ich habe für meine Angestellten Kurzarbeit angemeldet und hoffe, dass die versprochene Unterstützung der KMU auch klappen wird.

 

Reaktionen aus Hornusserkreisen bekomme ich via Geschäftsstelle mit. Die meisten Fragen und Sorgen werden zuerst durch Bruno Ryser bearbeitet. An dieser Stelle möchte ich Bruno ganz herzlich für seine unermüdlichen Einsätze uns Hornussern zuliebe danken!

 

«Wir sehen uns raschmöglichst wieder

auf den Spielfeldern.»

  

Was wünschst du dir für den weiteren Verlauf des Jahres 2020?

Ganz klar: Ich wünsche mir, dass wir baldmöglichst wieder einen normalen Spielbetrieb und somit die Krise überwunden haben. Ich hoffe ganz schwer, dass die Grossanlässe im August planmässig über die Bühne gehen können. An der nächsten ZV-Sitzung von Mitte April werden wir bestimmen müssen, wann für die Veranstalter der Verbands- und Interkantonalen Feste 2020 die Deadline zu setzten ist – also ob die Feste durchgeführt werden können oder nicht.

 

Ich danke Euch allen, dass ihr die Richtlinien vom Bund einhaltet und das „Social-Distancing“ wahrnehmt!


In diesem Sinn wünsche ich euch allen und euren Familien nur das Beste, bleibt gesund und wir sehen uns raschmöglichst wieder auf den Spielfeldern…