Die spannendste Meisterschaft aller Zeiten?

"Ich weiss, dass ich nichts weiss." Nichts beschreibt die Ausgangslage für die Meisterschaft 2022 besser als dieses geflügelte Wort aus der Antike.

 

Nach zwei Jahren Unterbruch startet die reguläre Meisterschaft wieder und damit wohl das, was man eine normale Saison nennen könnte. Endlich! Gross sind die Freude und die Fragezeichen. Mit ein Grund, weshalb wir an dieser Stelle auf Prognosen zum Ausgang der Meisterschaft verzichten. Klar ist: Die sportliche Ausgangslage ist in den meisten Ligen so offen wie schon lange nicht mehr. Oder vielleicht so offen wie noch nie? Das verspricht schon mal Spannung. Dazu gleich mehr.

Offen ist aber eben auch die Frage: Wie steht es um die Sportart Hornussen als Ganzes? Mannschaften, die sich zurückziehen oder Spielergemeinschaften gründen. Spieler, die die Motivation verloren haben und lieber einem anderen Hobby nachgehen. Gehört hat man viel, gefühlt vor allem Negatives. Aber das liegt auch im menschlichen Empfinden. Was die Pandemie mit dem Hornussen wirklich gemacht hat, lässt sich wohl erst in zwei, drei Jahren beurteilen. Der EHV hat kurzfristig schon mal dahingehend reagiert als dass er mittels der Arbeitsgruppe "Hornusserweg" seine Strategie analysiert.

Gut war die Pandemie aber sicher nicht für die Hornusser. Während einige andere Sportarten nach dem Ausfall 2020 wenigstens die Saison 2021 retten konnten, kann man dies im Spiel zwischen den Zieli nicht behaupten. "Normal" über die Bühne gingen lediglich ein Teil der Kleinanlässe sowie die Gruppenmeisterschaft. Und das, obwohl Hornussen als Outdoor-Sportart doch gegenüber manch anderen Hobbies im Vorteil gewesen wäre. Statt die Meisterschaft nach einem Jahr Unterbruch weiterzuführen, wurde die alternative Stärkeklassenmeisterschaft ausgetragen. Deren Ausgang hat keinen Einfluss auf vorher oder nachher erzielte Ergebnisse, was uns also zu den sportlichen Auswirkungen der Pandemie führt.

 

Jetzt aber wirklich 16+2

Auf die Frage, ob die Stärkeklassenmeisterschaft als Indikator für die diesjährige Meisterschaft gelten kann, muss mit einem klaren Nein geantwortet werden. Einige Mannschaften haben gar nicht erst teilgenommen. Der Modus wurde während der Austragung geändert. Während einige wenige Teams in Vollbesetzung antraten, wechselten bei anderen Teams die Aufstellungen munter hin und her oder es wurde auch öfters in Kauf genommen in Unterzahl anzutreten. Absteigen konnte ja niemand. Und last but not least wurde nach dem "alten" Format mit 18 Mann gespielt. Da die Meisterschaft 2022 also erstmals mit dem eigentlich schon für 2020 geplanten, für alle Ligen einheitlichen, Format 16+2 ausgetragen wird, haben wir unten nochmals den Original-Artikel "Eine neue Zeitrechnung beginnt" angefügt. Dieser hilft beim Einordnen der mit 16 Spielern erzielten Ergebnisse.

Weiter zur unklaren Ausgangslage in sportlicher Hinsicht tragen die Transfers bei. Effektiv werden sich nun die Auswirkungen von drei Transferfenstern niederschlagen. Und es wird sich zeigen, ob einige Teams Federn lassen mussten, wenn gute Hornusser ihren Stecken an den Nagel gehängt haben. All diese Faktoren und noch viele mehr spielen in diese Meisterschaft 2022, die im Juli enden wird. Dann werden erstmals seit drei Jahren wieder Meister und Aufsteiger gefeiert oder Absteiger betrauert. Mutmasslich befinden sich also noch diverse Mannschaften in einer "falschen" Liga – also einer Liga, die nicht ihrem Stärkeprofil entspricht. Teams, die ihre Liga richtiggehend dominieren oder aber solche, die rein gar keine Chance haben mitzuhalten? Durchaus denkbar. Kann man sich mit all diesen Fragestellungen also sorgenfrei auf die Meisterschaft freuen? Die Antwort lautet: fast. Denn um das dominierende Thema der letzten beiden Jahren kommen wir beim besten Willen nicht ganz herum.

 

Und Corona?

Das angesprochene Thema heisst natürlich Covid-19. Zwar hat der Bundesrat heute Mittwoch erwartungsgemäss das Ende der Massnahmen verkündet. Wenn uns die letzten beiden Jahre eines gelehrt haben, dann, dass man jederzeit auf alles vorbereitet sein sollte. Die Weisungen zur Meisterschaft lieferten zunächst lediglich den Hinweis, dass Bundes- und oder Kantonsverordnungen ausnahmslos umzusetzen seien. Im Falle der Rückkehr einer neuen Variante könnte das auch wieder heissen: Isolation. Was also, wenn mehrere Spieler nicht zur Verfügung stehen für ein Spiel? Diese Frage haben wir Mitte März dem EHV-Geschäftsstellenleiter Bruno Ryser gestellt. Seine prompte Antwort enthielt eine pragmatische Herangehensweise an solch ein Szenario: "Das entscheidet der Ligabetreuer von Fall zu Fall."

Am Montag vor Meisterschaftsstart hat die Meisterschaftskommission dann aber doch noch nachgebessert und einen Anhang zu den Weisungen herausgegeben. Dort wurde präzisiert: "Haben mehr als 4 Spieler eine Isolationsanordnung, darf ein Spiel unter Vorweisung der jeweiligen Anordnungen (...) verschoben werden." Wie sagt man so schön: Vorsicht ist besser als Nachsicht. Wo passt das besser als bei Covid-19?

 

Lasset die Spiele also beginnen! Die HG Balzenwil wünscht allen Hornussern und ihren Mannschaften viel Freude, Erfolg und eine schöne, unfallfreie Saison💪

 

 




Eine neue Zeitrechnung beginnt

(unveränderter Original-Artikel vom 7. März 2020)


Ab diesem Jahr herrscht die einheitliche Mannschaftsgrösse von 16+2 Spielern. Wir erklären euch in diesem Artikel alles, was ihr dazu wissen müsst. 

 

Bis anhin haben die Nationalligen, erste und zweite Liga mit 18+1 gespielt. Offensichtlich wird die Vereinheitlichung der Mannschaftsgrössen zu einer besseren Vergleichbarkeit mit Mannschaften der unteren Ligen führen. Eine Umrechnung wird nicht mehr nötig sein.

 

Wohl aber ein Umdenken.

 

Wir schreiben den 7. April 2019. Schweizermeister Höchstetten A erzielt im Meisterschaftsspiel gegen Wäseli A sagenhafte 1576 Schlagpunkte. Das ergibt einen Schnitt von 21,889 pro Streich. Rechnen wir dieses Ergebnis – wir beziehen uns bei den Umrechnungen immer auf den Schnitt – auf die neue Mannschaftsgrösse um, ergibt das 1401 Schlagpunkte! Dieses Beispiel zeigt exemplarisch: Wir haben es mit ganz neuen Resultaten zu tun, die richtig eingeordnet werden müssen.

 

 

 

889 ist das neue 1000!

Wer im Konzert der Grossen mitspielen wollte, der musste 1300 Punkte erzielen. Bisher. 1300 Punkte sind ein Schnitt von 18,056 pro Streich. Auf die neue Mannschaftsgrösse gerechnet sind das nun 1156 Punkte.

 

Eine wichtige Grösse, vor allem in der NLB, ist die Schallmauer von 1000 Schlagpunkten. Auch bei schlechten Bedingungen galt es, zumindest ein vierstelliges Total zu erreichen. Neu liegt dieser Wert bei 889 Punkten! Also nicht erschrecken, wenn die tausend Punkte das eine oder andere Mal nicht erreicht werden.

Die Rechnerei lässt sich auch umdrehen: Wer jetzt 1000 Punkte schafft, der hat einen Schnitt von 15.625 erreicht. Das hätte bei der alten Mannschaftsgrösse für 1125 Punkte gereicht – in der NLB ein beachtliches Resultat. Wir sehen: 1000 Punkte sind ab sofort ein durchaus stolzes Ergebnis.

 

Rechnet man die Meisterschaftsresultate von Balzenwil A – der schlagstärksten Manschaft der NLB Gruppe 1 in der letzten Saison – auf die neuen Mannschaftsgrössen um, so hätten die Balzenwiler viermal keine tausend Punkte erzielt. Das tiefste Resultat, 1064 Punkte in der 7. Runde, würden heuer noch zu 946 Punkten reichen.

 

Zurück zum Schweizermeister: Höchstetten A erzielte als schlechtestes Resultat in der letztjährigen Meisterschaft 1259 Punkte. Auf heuer umgerechnet ergäbe das noch 1119 Schlagpunkte.

Auch hier können wir den umgekehrten Weg gehen: Am 7. März 2020 erreichte Höchstetten in einem Wettspiel im neuen Format 1265 Punkte. Bescheiden für die Höchstetter? Nun, letztes Jahr wären das noch satte 1423 Punkte gewesen. Also doch nicht so übel, oder?

 

Natürlich müssen wir etwas die Relationen wahren und können auch in der NLA nicht alle nur mit Höchstetten vergleichen. Wir schauen deshalb bei Wichtrach A rein, das in der letzten Saison als Aufsteiger den Ligaerhalt mit Rang 12 gerade geschafft hat. Wichtrach A erzielte im Schnitt in der Meisterschaft 1182 Schlagpunkte. In diesem Jahr würde dies einem Schnitt von 1051 Punkten entsprechen. Dreimal wäre Wichtrach nach neuer Rechnung unter der 1000-Punkte-Marke geblieben.

Wir sehen: Auch in der NLA wird es nun ab und zu Resultate unter der Marke von 1000 Punkten geben.

 

Um euch eine Übersicht zu geben, hier ein paar Umrechnungen grafisch dargestellt. In rot sind die bisherigen Punktzahlen mit 18 Mann (72 Streiche), in blau das umgerechnete Resultat mit 16 Mann (64 Streiche). Die Resultate sind gerundet!

 


Auch neue Riestotale

 

Für die Spieler vielleicht etwas interessanter und wichtiger als für Aussenstehende sind auch die Riestotale, die sich natürlich ebenfalls verändern.

 

Schweizermeister Höchstetten brachte das Kunststück fertig, Riese mit über 400 Punkten zu erzielen. Für Normalsterbliche waren eher Zahlen wie 325 (für 1300 Schlagpunkte), 300 (1200 Punkte) oder 250 (für 1000 Punkte) massgebend.

 

Auch hier haben wir eine graphische Übersicht erstellt, die die neuen Verhältnisse veranschaulicht. Hornusst man einen Schnitt von 16.667 pro Streich, hätte das nach den alten Verhältnissen 1200 Punkte ergeben. Also Riese von durchschnittlich 300 Punkten. Um dieses Niveau zu erreichen, muss man ab sofort Riese mit 267 Punkten erzielen. Denn wir erinnern uns: 1067 ist das neue 1200. Und 4 x 267 sind 1068 Punkte.

 

Wir erinnern uns auch, dass die bisherige 1000-Punkte-Schallmauer neu bei 889 Punkten liegt. Statt der bisherigen 250-er Riese müssen die Teams, um das Niveau zu halten, neu 222-er Riese erzielen.

 

Wir erkennen: Wenn man sich etwas mit dem ganzen auseinandersetzt, ist es gar nicht mehr so kompliziert.

 

 


Das neue Reglement hat aber auch noch weitere Auswirkungen. Die offensichtlichste: Es steht ein Mann weniger im Ries. Denn die Teams bestehen ja total nur noch aus 18 statt 19 Spielern. Und weil wir jetzt so gut mit Zahlen umgehen können, gleich noch eine kleine Spielerei hinterher:

19 Mann hatten bisher 200 Meter abzudecken. Das ergibt für jeden Spieler im Schnitt 10,526 Meter. Der gleiche Raum muss jetzt von 18 Spielern abgedeckt werden. Neu ist ein Spieler im Schnitt für 11,111 Meter verantwortlich. Gerundet muss jeder Spieler 58,48 Zentimeter mehr abdecken. Tönt gar nicht nach viel. Wir sind gespannt, ob es (noch) mehr Nummern geben wird.

 

Man darf nicht vergessen, dass die Mannschaften etwas mehr taktischen Spielraum haben. Bisher konnten sie nur einen Spieler "auf die Kiste" schreiben, also nur einer war überzählig. Das war in der Regel derjenige, der beim Schlagen am formschwächsten war oder aber ein Spieler, den man vor allem aufgrund seiner Qualitäten im Abtun in der Mannschaft hatte.

Neu ist beides gleichzeitig möglich. Zwei Spieler sind überzählig. Nimmt man zwei Spieler mit, die am Bock eher schwächer sind, aber im Abtun umso besser? Rotiert man einfach ständig mit den formschwächsten Spielern? Auf jeden Fall steigen die Chancen für "Hätte, hätte, Fahrradkette"-Situationen. Nämlich dann, wenn ein Spiel um wenige Punkte verloren geht und einer oder gar beide überzähligen Spieler mehr Punkte erzielen als die auf das Mannschaftstotal zählenden Spieler. Wir sind gespannt...

 

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass Ersatzstreiche neu mit maximal 5 statt wie bisher mit 9 Punkten bewertet werden. Diese Regeländerung dürfte aber eher in den unteren Ligen zu spüren sein.