In der NLA ist es wie bei James Bond: Ein Sonntag für die Geschichtsbücher ist nicht genug

 

Pfingsten markierte die Halbzeit der bisherigen Meisterschaft. Im ersten Teil unserer Halbzeitbilanz: die Nationalliga A.

 

Vor der Saison war wieder einmal die grosse Frage: Kann eine Mannschaft Höchstetten A stoppen? Nach der Hälfte der Meisterschaft lautet die Antwort: Vielleicht Wäseli. Vielleicht Urtenen. Vielleicht das Wetter. Und definitiv Bern-Beundenfeld A – allerdings nur am Tag X, nicht über die gesamte Meisterschaft hinweg.

 

Höchstetten A steht nach sieben Spielen mit 26 Rangpunkten und null Nummern an der Spitze der NLA. Dahinter folgen Wäseli A und Urtenen A mit je 22 Rangpunkten aus sechs Spielen. Dieses Spitzentrio hat sich leicht, aber wohl bereits entscheidend abgesetzt.

 

Wasen-Lugenbach A und Bern-Beundenfeld A kassierten bereits in der ersten Runde eine Nummer, doch dazu später mehr.

 

 

Höchstetten trotzdem auf Kurs

Die Höchstetter stehen wieder dort, wo sie in den letzten Jahren meistens standen: ganz oben. Der direkte Sieg gegen das zuvor verlustpunklose Urtenen A katapultierte die Oberaargauer zurück auf den Leaderthron. Diese Gelegenheit nutzte auch Wäseli A und zog an Urtenen vorbei. Der einzige Punktverlust von Wäseli geht ebenfalls auf das Duell mit Höchstetten zurück. In der dritten Runde übertrumpfte Höchstetten Wäseli gleich um 79 Schlagpunkte.

 

Als mögliche Herausforderer der Höchstetter galten vor der Saison auch Heimiswil A und Bern-Beundenfeld A. Doch beide Teams stehen zur Halbzeit nicht da, wo sie sein möchten. Dabei gelang Bern-Beundenfeld doch ein «Sonntag für die Geschichtsbücher», wie die Stadtberner auf ihrer Website selber schreiben. Aufgrund der BEA empfingen die Berner Meister Höchstetten im Exil in Oberbottigen. Dabei setzten sich die Berner um 25 Punkte durch. Das Problem: Bereits in der allerersten Runde kassierten die Berner eine Nummer und büssten Punkte ein. Der Sieg gegen Höchstetten ist zweifelsfrei ein grosser Prestigesieg für die Beundenfelder. Aber ein Befreiungsschlag resultierte daraus nicht.

 

Es folgte die Niederlage im Wäseli und eine weitere Nummer gegen Sinneringen-Vechigen A. In der Tabelle liegt Bern-Beundenfeld auf Rang 7. Der Rückstand auf die Topteams beträgt 5 Punkte (respektive 9 auf Höchstetten, das ein Spiel mehr ausgetragen hat). Für den Meistertitel wird dieses Handicap nicht mehr reichen, denn es ist nicht anzunehmen, dass die Spitzenteams gleich reihenweise Federn lassen.

 

Noch schlechter erging es bisher Heimiswil A. Mit grossen Ambitionen und prominenten Neuzugängen gestartet, finden sich die Heimiswiler auf dem drittletzten Rang wieder. Klar: Den Heimiswilern wurden die grossen Brocken mehrheitlich zu Beginn der Saison zugelost. Da waren aber auch die beiden Nummern, die es gegen Schüpbach A und Balzenwil A absetzte. Sorgen muss man sich um die Heimiswiler wohl kaum machen, doch der Grossangriff nach vorne wurde gestoppt, bevor er richtig losgehen konnte.

 

Das Mittelfeld: dicht, dichter, NLA

Der Begriff Mittelfeld muss in der NLA sehr breit gefasst werden. Mit Ausnahme vom Spitzentrio und dem Schlusslicht Sinneringen-Vechigen liegen alle Mannschaften in einem Bereich, in dem ein einziger guter oder schlechter Tag die Tabelle ziemlich durcheinanderwirbeln kann.

 

Wasen-Lugenbach A ist da, wo es oft liegt: Nahe an der Spitze, aber nicht ganz vorne. Zwischenrang 4 ist dabei auch einer Nummer in der ersten Runde geschuldet. Rüdtligen-Alchenflüh A steht mit 20 Rangpunkten aus sechs Spielen ebenfalls gut da.

 

Wichtrach A haben wir vor der Saison «Breakout-Potenzial» attestiert und siehe da: Zwischenrang 6. Zu verdanken ist das der bisher makellosen Riesarbeit. Nebst dem Spitzentrio und Wichtrach sind noch Schüpbach A und Balzenwil A ohne Nummer. Diese beiden Teams folgen denn auch hinter Wichtrach sowie Bern auf den Rängen 8 und 9 und sie zeigen, wie wichtig eine gute Leistung im Abtun ist: Während die Balzenwiler einmal von einer gegnerischen Nummer profitierten und einen Vierer einfahren konnten, ist Schüpbach bisher nach Schlagpunkten stets unterlegen, profitierte jedoch zweimal von einem gegnerischen Ausrutscher. Der Teil mit den Schlagpunkten ist auch einem happigen Startprogramm geschuldet.

 

Dahinter folgt eine Mini-Zäsur, die bei den knappen Abständen in der NLA jedoch viel ausmachen könnte. Richigen A liegt direkt hinter Balzenwil auf Rang 10. Sie haben die gleiche Punktzahl wie die Balzenwiler, aber ein Spiel mehr ausgetragen. Die letzte Runde vor Pfingsten spielte dabei eine wichtige Rolle: Balzenwil siegte zuhause gegen Richigen um ganz knappe 3 Schlagpunkte. Und weil die Gäste auch noch eine Nummer kassierten, blieben 4 Punkte in Balzenwil, Richigen konnte keine mit nach Hause nehmen.

 

Die Wundertüte aus dem Seeland

Auf Rang 11 liegt Lyss A, welches wir in der Saisonvorschau als Wundertüte bezeichnet haben. Noch immer werden wir aus den Ergebnissen der Seeländer nicht schlau. Am Potenzial zweifelt niemand. Doch scheint Lyss fast etwas im Triebsand stecken zu bleiben. Liegt es daran, dass die Organisation der Hornusserfeste zu viel Energie wegfrisst? Wir wissen es nicht. Was wir wissen: In der ersten Runde ging das Spiel gegen Urtenen denkbar knapp um einen Schlagpunkt verloren. Gegen Richigen folgte in Runde 3 der erste Sieg und dann gleich ein Nuller gegen Rüdtligen. In der Folge war Röthenbach zu stark und gegen Wichtrach verhinderte wiederum eine Nummer den Sieg. Angesichts des happigen Restprogramms müssen bei Lyss in den unmittelbar bevorstehenden Runden Punkte und Siege her.

 

Dasselbe gilt für das bereits erwähnte Heimiswil auf Rang 12, aber auch für Röthenbach, das mit gleich vielen Punkten wie die Heimiswiler (12) auf dem zweitletzten Rang klassiert ist. Den Emmentalern hatten wir einen Aufschwung prognostiziert. Mehr als der letztjährige 9. Platz ist aber immer noch machbar, die Abstände sind eng. Röthenbach kassierte früh in der Meisterschaft zwei Nuller. Nach Siegen gegen Richigen und Lyss und einer 1-Punkt-Niederlage gegen Rüdtligen zeigt die Tendenz klar nach oben.

 

Einen schweren Stand hat Sinneringen-Vechigen mit 8 Punkten aus den ersten 6 Spielen. Sie haben als einziges Team noch keinen Vollerfolg eingefahren. Um den Ligaerhalt doch noch zu bewerkstelligen, müssten die Vechiger ihr Ries sauber halten, auf Ausrutscher der direkten Konkurrenten hoffen und wohl zwingend zwei Vollerfolge in den letzten Runden gegen Balzenwil und Richigen landen. Selbst dann wird es noch schwierig genug.

 

Fazit: Die erste Hälfte hat gezeigt: Höchstetten bleibt der Massstab. Wäseli und Urtenen sind aber noch nahe genug dran, um auf einen Ausrutscher zu hoffen. Die Ausgangslage ist deutlich spannender als auch schon und vielleicht haben wir uns diesbezüglich vor der Saison getäuscht. Für den ganzen Rest der Tabelle ist es sowieso eng. Brutal eng. Ihren Kopf aus der Schlinge ziehen müssen in den nächsten Spielen insbesondere Lyss, Heimiswil und Röthenbach. 

 

 

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