Im zweiten Teil unserer Halbzeitbilanz dreht sich alles um die Nationalliga B.
Die Ligareform hat die Nationalliga B halbiert. Gemäss unserer Prognose sollte das die zweithöchste Liga deutlich spannender machen, dank höherem Niveau und unberechenbareren Duellen.
Zur Halbzeit können wir bilanzieren: Ganz verhauen haben wir die Prognose nicht…
Teil 1 unserer Halbzeitbilanz verpasst? Hier nachlesen:
Auf los ging’s los: Nur zwei Runden waren gespielt und schon hatte keine NLB-Mannschaft mehr das Punktemaximum auf dem Konto.
Der Blick auf die Tabelle zeigt: Ganz vorne hat sich dennoch einer der Favoriten abgesetzt. Dahinter sieht die Tabelle aus, als hätte jemand beim Jassen die Karten ganz ordentlich gemischt. Die Ränge 4 und 11 trennen 5 Punkte. Wir dürfen uns auf viele Direktbegegnungen freuen. Und: diverse Teams, die vor der Saison hoch gehandelt wurden, haben (noch?) nicht geliefert.
Nur ein Trumpf hat bisher gestochen
In unserer Prognose haben wir von einem Oberaargauer Favoritentrio geschrieben, dazu Utzigen A als zusätzliche Widersacher. Mättenwil-Brittnau A ist diesem Anspruch vollauf gerecht geworden. In der zweiten Runde setzte es in Winterthur eine Nummer ab, ansonsten gab es nur Vollerfolge. Weil es zwei Aufsteiger aus der NLB gibt und die Mättenwiler die hochkarätigsten Konkurrenten schon besiegt haben, stehen die Zeichen auf Aufstieg. Die Equipe aus der Scharleten hat noch 6 Partien vor sich, die übernächste gegen Verfolger Oeschenbach-Kleindietwil A. Mit einem Vollerfolg in diesem Spiel dürfte den Aargauern der Aufstieg kaum mehr zu nehmen sein.
Die Mättenwiler sind in normaler Verfassung für die meisten Konkurrenten eine Nummer zu gross. Eine ganz bittere Niederlage musste mit Thörigen A einer der weiteren Favoriten hinnehmen. Am 2. Mai mussten die Mättenwiler mit den letzten 4 Streichen in Thörigen noch 79 Punkte erzielen, um dank dem höheren Riestotal den Sieg zu holen. Den viertletzten Streich, einen 18er, mussten die Thöriger unterstreichen. Für Mättenwil folgten ein 17er und ein 21er. Als letzter Streich benötigte Michael Aerni einen 23er – genau den schlug er dann auch, womit Thörigen nur die Nullerrunde blieb. Nicht zuletzt wegen dieses Spiels sind die Thöriger derzeit nur auf Rang 9 zu finden.
Zwei Ränge weiter hinten finden wir mit Oberönz-Niederönz A den dritten Favoriten aus dem Oberaargau. Die Oenzer sind miserabel in die Meisterschaft gestartet und haben sich inzwischen etwas gefangen.
Utzigen A liegt nach Verlustpunkten auf Rang 2. Zurückgebunden wurden sie von direkten Konkurrenten. Ein denkwürdiges Spiel in Thörigen endete mit einem Fussballresultat: 2 Nummern bei Thörigen, 5 bei Utzigen. Immerhin ein Rangpunkt für das bessere Schlagtotal. Einen Nuller gab es in Mättenwil, wo die Utziger auch am Bock chancenlos blieben. Utzigen hat sowohl von der Tabellensituation her als auch aufgrund des Restprogramms aktuell die besten Karten auf den zweiten Rang. Weitere Ausrutscher sind aber nicht erlaubt.
Blinzeln verboten
Als einzige Mannschaft steht Oeschenbach-Kleindietwil A noch ohne Nummer da. Zwischenrang 2, mit einem Spiel mehr als Utzigen. Wollen die Oeschenbacher ernsthaft ins Aufstiegsrennen eingreifen, müssen sie die 0 in der Nummernspalte wohl beibehalten.
In der letzten Runde vor Pfingsten erwischte es Oschwand-Biembach A erstmals. Sie sind direkt hinter Oeschenbach klassiert und haben das ihrer Stärke im Ries zu verdanken. Es wartet ein happiges Restprogramm und die Devise ist dieselbe wie bei Oeschenbach und eigentlich allen anderen Teams: blinzeln verboten. Eine weitere Nummer reicht und das Schreckensgespenst Abstieg klopft an die Hüttlitüre.
Die weiteren Mannschaften in diesem Getümmel sind der Reihe nach Gondiswil A, Hettiswil-Eintracht-Moosseedorf A, Rüderswil A, Thörigen A, Belp-Toffen und Oberönz-Niederönz A. Getrennt durch einen einzigen lächerlichen Punkt! Der Vorsprung auf die Abstiegsplätze beträgt zudem auch nur drei Punkte.
Das alles macht die Ausgangslage unheimlich spannend und schwer prognostizierbar. Zufall ist das nicht: Neun Spiele wurden durch eine Differenz von weniger als 15 Schlagpunkten entschieden, zweimal gab es sogar einen Punktegleichstand. Wer das nicht spannend findet, hat keinen spürbaren Puls mehr.
Nur so viel: Gondiswil überrascht uns am meisten, denn sie hatten von den obengenannten Mannschaften das bisher schwerste Programm. Ähnliches gilt für Thörigen A. Der Zufall will es, dass die beiden Teams in der letzten Runde aufeinandertreffen. Wetten, dass es für mindestens eine der beiden Mannschaften dann noch um sehr viel geht?
Überflieger im Sinkflug
Damit sind wir bei den hintersten vier Teams der Tabelle angekommen. Dass sich darunter auch Gerlafingen-Zielebach A befinden würde, damit war nicht zu rechnen. Sie liegen nur zwei bzw. drei Punkte vor den weiteren Teams, haben aber eine Partie mehr ausgetragen. In den ersten vier Spielen setzte es stets Nummern ab, seither hat sich das Team gefangen. Die Ausgangslage bleibt delikat.
Nach fantastischen Saisons 2025 sind Hintermoos-Reiden A und Zimmerwald A etwas auf den Boden der Realität zurückgekehrt. Das ist freilich keine Katastrophe, zumal noch alles möglich ist. Aber der Auftrieb ist halt doch etwas verloren gegangen.
Einen Punkt hinter diesem Duo liegt Winterthur A. Die Zürcher geben uns Rätsel auf. Erst noch waren sie in der NLB eine Gefahr für fast alle Teams. In diesem Jahr spielen sie teilweise mit 16 Mann, während die B-Mannschaft vollzählig antritt. Ist das ein bewusster Rebuild? Eine freiwillige Schwächung der A-Mannschaft zugunsten der B-Mannschaft respektive der Nachwuchsförderung? Wir durchschauen diese Taktik nicht, doch wenn der Abstieg verhindert werden soll, steht eine schwierige zweite Saisonhälfte bevor.
Fazit: Ganz entschieden ist es noch nicht, aber es müsste wohl mit dem Teufel zugehen, wenn sich Mättenwil-Brittnau nicht auf einem der Aufstiegsplätze halten könnte. Dahinter tobt der erwartete Grosskampf. Zurzeit sind dieselben Mannschaften sowohl in den Kampf um den zweiten Aufstiegsplatz als auch in den Abstiegskampf involviert. Wir erwarten spannende Positionskämpfe. Oben wie unten werden die definitiven Entscheidungen erst in der letzten Runde fallen.
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